Die Band „Vollgas Jonny“ aus Hohenbrunn ist viel mehr als eine Coverband. „Vollgas Jonny“ spielt in einer typischen 40/50er Jahre Besetzung: Klavier, Standbass, Gitarre und Schlagzeug. Die fünf Musiker spielen mit einem authentischen Sound im Stil der alten Blues-Legenden und interpretieren aber auch Stücke von der Motown-Soulmusic bis hin zu den derben Rocknummern von ACDC und den Stones. Und so wird aus einem Hendrix „Hey Joe“ ein „Heh Sepp, wo rennst denn hie mit dem G’wehr in der Hand“. Zum Interview mit Bernadette Heimann kommen sie zu viert, Schlagzeuger Christian Stockmann hat leider keine Zeit: Andreas Rau (Gitarre und Gesang), Karsten Johne (Kontrabass und Gesang), Robert Mares (Piano und Gesang) und Gilbert Bishop (Gesang und Entertainment). Nach ihrem Auftritt am Freitag beim Open Air in Hohenbrunn spielt die Band das nächste Mal am 23. Juli beim Sinnflut-Festival in Erding.
Wo kommt der Name „Vollgas Jonny“ her?
Andreas Rau: Die Band, 1993 gegründet, bestand früher nur aus Motorradfahrern. Wir hatten alle eine Affinität zur mobilen Technik. Ich bin der einzige, der von der ursprünglichen Besetzung übrig geblieben ist. Karsten Johne: Der frühere Sänger ist bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen. Der war ein absolutes Urgestein. Er hat die Band gegründet. Das Wort Jonny ist eine Anspielung auf die 50er Jahre, im Bandnamen wird es ohne „H“ geschrieben. Gilbert Bishop: Ja, der Name Johnny steht für das Wilde: Wie Johnny Strabler, der Anführer der Motorradgang in dem Film „The Wild One“ mit Marlon Brando. Robert Mares: Der größere Teil unserer Band ist gern auf Rennstrecken unterwegs (lacht). Vollgas ist unsere Einstellung. Wir können nur Vollgas.
Was spielen Sie denn so?
Andreas Rau: Wir haben uns gewandelt von einer Punk- zu einer Blues und Soul-Band. Karsten Johne: Wir spielen das alte Song-Material bis hin zu ACDC-Stücken. Robert Mares: Und wir wollen eine authentische Blues-Soul-Band sein. Nix aus der Konserve, kein Schnickschnack. Wir sind keine reine Coverband. Und wir wollen nicht nah am Original sein. Sonst kann man auch eine CD hören und muss nicht zu einem Konzert gehen. Gilbert Bishop: Nehmen wir mal ein ACDC-Stück. Wir setzen das Original um und machen eine andere Version daraus. Daran haben wir hart gearbeitet. Und die Leute hören das interessiert an. Karsten Johne: Man merkt, wie sie plötzlich die Ohren spitzen. Andreas Rau: Und anfangen, zu tanzen.
Gilbert Bishop: Ich glaube nicht, dass die Leute alle Stücke wieder erkennen. Sicherlich, sie kommen ihnen bekannt vor, aber sie können nicht auf Anhieb sagen, was es ist. Karsten Johne: Zum Beispiel „Sun City“. ACDC spielt es mit E-Gitarre, wir mit Klavier. Es ist irrsinnig schwer für eine lokale Konzertband, nur mit eigenen Stücken auf die Bühne zu gehen. Robert Mares: Was alle immer hören wollen ist „Knockin’on Heaven’s Door“. Wir spielen es, bei uns heißt es allerdings statt des bekannten Refrains „Nackig vor der Wohnungstür“. Die Leute finden das so witzig, dass sie volle Kanne mitsingen.
Dem Publikum wird bei Ihren Konzerten viel geboten!
Gilbert Bishop: Ja, wir sind eine Showband. Und das, obwohl wir nichts einstudiert haben. Ein Zuhörer hat mal gesagt, man merkt, ihr habt auf der Bühne enormen Spaß. Und so lässt sich das Publikum anstecken. Karsten Johne: Wir sind eben wirklich live. Und eine richtige Liveband muss spontan sein dürfen. Das kennt man ja eigentlich nur von Jazzbands. Wir funktionieren miteinander, obwohl nichts abgesprochen ist. Das ist wie beim Chorsingen, man wird eins. Andreas Rau: Dazu kommt, wir sind eine qualitativ hochwertige Band. Jeder von uns hat es drauf. Karsten und Gilbert sind Vollprofis mit sehr viel Erfahrung, Robert hat klassisches Klavier und Gesang studiert, der Schlagzeuger Christian Stockmann und ich spielen seit 30 Jahren in Bands. Was uns alle zusammenführt, ist der Groove. Und der eine lässt dem anderen seinen Raum. Robert Mares: Ja, das machen wir gern mal, dass zu Beginn erst einer auf die Bühne geht. Dann kommt der nächste. GilbertBishop: Und wenn alle zusammen sind, geht die Post ab. Eigentlich schade, dass diese Art, Musik zu machen so selten vorkommt. Oft wird man ja nur noch niedergeknüppelt von dem Sound im Hintergrund.
Wer schreibt bei Ihnen die Texte?
Andreas Rau: Ich. Gerade habe ich ausnahmsweise mal keinen Text geschrieben, sondern etwas vertont. Rilke. Ich habe die Musik zu seinen Texten gemacht. Unser Repertoire ist ja sehr groß: Die einen Songs sind humorvoll bis derbe, die anderen ernst gemeint bis politisch. Gilbert Bishop: Wie zum Beispiel die Version von „Sweet Home Alabama“. Das wollen die Leute immer hören, die stehen auf diese Südstaaten-Nummer. Doch da hat der Andi gesagt: Das spiele ich nicht. Schau Dir doch mal den Text an. Andreas Rau: Also habe ich den umgeschrieben und wir singen nun „Sweet President Obama“. In unseren Song scheint die Sonne für die Schwarzen und die Weißen.
Wie viel Auftritte haben Sie pro Jahr?
Karsten Johne: So an die 20, alles hier im Umkreis. Andreas Rau: Und das Gute ist: Wir werden immer wieder gebucht. Neulich als wir auf einem Motorradfestival gespielt haben, kommt eine Frau, so um die 50, und sagt: Es ist das erste Mal, dass mein Mann mit mir getanzt hat. Robert Mares: Ja, wir haben ja schon erlebt, dass die Leute gar nicht mehr aufhören wollten, zu tanzen. Als wir kürzlich in Kufstein gespielt haben, hat es in Strömen geregnet. Die Leute haben uns zugehört, sind uns nicht von der Seite gewichen, 90 Minuten lang. Unglaublich!
Vor allem die Mädels fahren auf Sie ab, oder?
Karsten Johne: Ach, wir sind doch in festen Händen. Gilbert Bishop: Wir könnten noch, wenn wir wollten. Andreas Rau: Bei mir kriegen die Frauen wohl eher den Impuls, dass sie denken, ich sei ein Radlverkäufer oder so was. Robert Mares: Also: Es ist definitiv so, dass Musiker auf Frauen anziehend wirken.
Die Bandmitglieder von links nach rechts:
Andreas Rau spielt Gitarre und singt …
Gilbert Bishop singt in erster Linie und sorgt als Frontmann auch für Unterhaltung …
Carsten John zupft den Bass und singt ebenfalls …
Robert Mares sitzt an den Tasten und singt auch.
Christian Stockmann sitzt am Schlagzeug
Darmstädter Echo 18.März.2010
Ein Stück Rockgeschichte
The New Pralins: Gilbert Bishop gastiert am kommenden Sonntag im Darmstädter Halbneun-Theater
Anfang der sechziger Jahre brach in Deutschland das Rock-Fieber aus. Das Virus kam aus den USA - Elvis Presley hatte es von dort als GI nach Hessen eingeschleppt- , und es kam aus Großbritannien, wo Cliff Richard und die ,,Shadows" rockten. Noch vor der ,,Beat-Revolution" formierten sich auch in Darmstadt Bands, die druckvolle Musik machen wollten, weg von Bigbands in Sakkouniform mit gedämpften Blechbläsern und besenbefächeltem Schlagzeug, hin zu elektrifiziertem Gitarrensound.
Eine dieser neuen Bands nannte sich ,,The Pralins", 1961 in Darmstadt gegründet von dem Gitarristen Gilbert Bishop und dem Schlagzeuger Manfred Meister, zu denen sich bald zwei weitere Gitarristen gesellten, so dass Bishop - in Darmstadt zärtlich ,,Gillev" gerufen - alsbald auf den E-Bass umschwenkte. Bei Tanzveranstaltungen, die es damals in den zahlreichen ,,Saalbauten" und Kneipen in der Region gab, erspielten sich die ,,Pralins" eine stattliche Anhängerschaft. Auf Kapellenwettbewerben, etwa in der Darmstädter Otto-Berndt-Halle, setzten sie sich gegen Konkurrenten wie die ,,Rebels", die ,,Tramps" und die ,,Hornets" durch. Und sie überstanden auch den Übergang von der Rock'n'Roll-Ära zum Beat glanzvoll, durch den Neuzugang Kurt Wallrabenstein, der den Tonfall und vor allem auch die Harmonikapassagen der frühen ,,Beatles"-Nummern perfekt kopierte.
Obwohl die ,,Pralins" damit zur Spitze der regionalen Bands zählten, 1965 eine Langspielplatte herausbrachten, durch Touren mit Buddy Caine bundesweit bekannt wurden, löste sich die Band auf. Denn Anfang der Siebziger zog Bishop nach München, um unter den Fittichen von Ralf Siegel, später bei den ,,Nilson Brothers" Popsongs zu singen. Beim Versuch, beim Eurovision Song Contest 1972 für die Schweiz zu singen, kam er in der Vorausscheidung auf Platz zwei.
Mit dem Tod von Klaus Weicker, der mit seinem Sohn Thomas und Nachwuchsmusikern als ,,Papa und die Buben" noch lange Musik machte, drohte die Erinnerung an die ,,Pralins" zu verblassen. Doch nun meldet sich ,,Gillev" für ein kleines Revival der Band zurück. Er ist nach Jahren musikalischer Pause in München mit der Band ,,Vollgas Johnny" wieder als Sänger aktiv. In dieser Band spielt auch der Gitarrist Andreas Rau, Sohn des international renommierten Frankfurter Konzertveranstalters Fritz Rau, der am 9. März seinen 80. Geburtstag feierte. Und da Rau junior dem Senior ein Party-Ständchen bringt, lässt es sich ,,Gillev" nicht nehmen, auch ein kurzes Wiedersehen mit der alten Heimat zu feiern. Als ,,The New "Pralins" gibt er mit der Band am Sonntag (21.) März um 19.30 Uhr ein Gastspiel im Darmstädter Halbneun-Theater. Im Rahmenprogramm spielt die ,,Boom Gang" mit Gitarrist ,,Onkel Tom" Weicker, dem Sohn des ,,Pralins"-Gitarristen.
A piece of rock history
The New Pralins: Gilbert Bishop performs at the Darmstadt Halbneun Theater on Sunday
The rock fever broke out in Germany in the early 60's. The virus came from the U.S. - Elvis Presley brought it to Hessen as a GI, and it came from Britain, where Cliff Richard rocked with the "Shadows". Even before the "Beat Revolution", bands formed in Darmstadt that wanted to make powerful music, away from the big band sound in their uniform jackets with muted brass and broom swept percussion, towards the electrifying guitar sound.
One of these new bands was called "The Pralins", founded in Darmstadt in 1961 by guitarist Gilbert Bishop and drummer Manfred Meister, where soon two other guitarists joined them, so that Bishop - tenderly named Gillev in Darmstadt - switched to the electric bass guitar. At the numerous dance clubs and halls in the region, the "Pralins" found themselves with a large following. At band competitions, such as the Darmstadt Otto-Berndt-Halle, they set themselves against competitors such as the "Rebels", "Tramps", and the "Hornets". And they also survived the transition from the rock 'n Roll aera to the Beat brilliantly, by newcomer Kurt Wallrabenstein, who copied the tone and especially the harmonics from the early songs of the "Beatles" perfectly.
The band broke up eventhough they were at the top of the regional bands, released a full length album in 1965, and became Nationally known through touring with Buddy Caine. Bishop moved to Munich at the beginning of the 70's and under the wing of Ralf Siegel and later with the "Nilson Brothers" began to sing pop songs. When trying to compete in the Eurovision Song Contest in 1972 in Switzerland, he placed second in the qualifying round.
With the death of Klaus Weicker, who was with his son Thomas and the up and coming band "Papa und die Buben" that continued to play music for a long time, the name the "Pralins" continued to fade away. "Gillev" came back for a small revival of the band. Now once again active as a singer after years of a musical break in Munich with the band "Vollgas Jonny". The guitar player Andreas Rau, son of the internationally renowned Frankfurt concert organizer Fritz Rau, also plays in the band and celebrated his 80th Birthday on March 9. And since Rau Junior is singing a birthday song for Rau senior, "Gillev" can focus on celebrating a short reunion with the old city. He is making a guest appearance with the band as the "New Pralins" in the Darmstadt halbNeun Theatre on Sunday (21) March at 19.30 clock . The program says that the "Boom Gang" is playing with guitarist "Uncle Tom" Weicker, the son of the "Pralines" guitarist.